Film. Richard Curtis: About time (Alles eine Frage der Zeit)

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Was für eine Enttäuschung! Als ich vor gut zwei Jahren den Sommer in Cornwall verbrachte (und, davon angeregt, meinen Roman „Ein Häusle in Cornwall“ schrieb), stolperte ich an der Südküste über Dreharbeiten. Das kleine Dörfchen Portloe war komplett belagert von einem Filmteam mit unzähligen Mitwirkenden und Statisten. Überall lagen Kabel, riesige Windmaschinen standen herum und in dem winzigen Hafen saß die komplette Crew zwischen Booten und Netzen und aß aus Styroporboxen ihren Lunch. Jemand erzählte uns, hier würde der neue Film von Richard Curtis gedreht. Richard Curtis, wir erinnern uns, hat so fabelhafte Komödien wie „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“, „Notting Hill“, „Tatsächlich – Liebe“, und „Bridget Jones“ geschrieben. Curtis hat Hugh Grant berühmt gemacht und den sehr britischen Filmhelden perfektioniert – selbstironisch, leicht tollpatschig und in Liebesdingen nicht besonders geschickt. So wie mein Held, Baronet Nicholas Reginald Fox Fortescue…

Bei uns kam die Komödie „About time“ im Oktober 2013 in die Kinos. Leider verpasste ich den Film damals, habe aber auch komischerweise niemand darüber reden hören. Jetzt habe ich ihn endlich auf DVD angeschaut. Eigentlich ist die Idee ganz lustig: An seinem 21. Geburtstag erfährt Tim von seinem Vater ein Geheimnis. Die Männer in der Familie können in der Zeit rückwärts reisen. Dazu müssen sie nur an einen dunklen Ort gehen, die Hände zu Fäusten ballen und sich den Augenblick vorstellen, an den sie zurückreisen wollen. Klingt reichlich albern (ist es auch).
Tim erklärte seinen Vater für verrückt und probiert es dann aus. Natürlich hat das Konsequenzen. Tim greift von nun an regelmäßig in sein Schicksal und das von Menschen, die ihm wichtig sind, ein. Auch wenn Zeitreisefilme und –bücher ein grundsätzliches Problem mit der Logik haben (wenn ich aus der Zukunft heraus die Vergangenheit verändere, hätte sich die Gegenwart eigentlich anders abgespielt – äh – alles klar?), könnte das sehr lustig sein. Ist es aber irgendwie nicht. Das ist überhaupt das Traurige an diesem Film, all die skurrilen, liebenswerten Charaktere, die die früheren Filme von Richard Curtis kennzeichnen, sind praktisch inexistent, bis auf einen schrägen Onkel, der so übertrieben exzentrisch ist, dass es schon wieder sehr bemüht wirkt. Curtis hämmert uns stattdessen seine Botschaft ein: Pflücke den Tag! Sage den Menschen, die du liebst, dass du sie liebst! Nimm dein Schicksal an! Lebe jeden Augenblick, als sei es der letzte! Lach gefälligst, anstatt zu Heulen! Das ist alles sehr wahr. Aber mal ehrlich, eigentlich wollte ich keine Ratgeberverfilmung ansehen, sondern eine Komödie. Auch der fabelhafte Bill Nighy in der Rolle des Vaters rettet diese „romantic dramedy“ nicht. Da greife ich doch lieber wieder zu den alten Filmen und freue mich an den wunderbaren T-Shirt-Aufschriften von Spike in Notting Hill. Ach ja, die Szene, die in Portloe gedreht wurde, ist die Hochzeitszene. Im Film fällt die Hochzeitsfeier wegen Sturm und Regen ins Wasser. An dem Tag, als wir durch das Dörfchen wanderten, strahlte die Sonne vom Himmel. Deshalb also die Windmaschinen.

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