Veganer Stammtisch statt Fußball: Körle und Adam in Stuttgart-Feuerbach

Herr Körle hat einen Weg hinter sich. Sein Großvater war Metzger. Sein Vater war Metzger. Er selber hatte eine Vereinskneipe mit klassisch schwäbischer deftiger Küche. Fleischküchle, Rostbraten. „Wenn Sie mir vor vier Jahren gesagt hätten, dass ich mal vegan lebe…“, sagt er und lacht.

Wir sind beim veganen Stammtisch, der findet jeden ersten Dienstag im Körle und Adam in Stuttgart-Feuerbach statt. Für 23 Euro gibt es ein Überraschungsmenü mit drei Gängen. Buchen im voraus ist essentiell. Wochen im voraus. Es kommen Stammgäste und Neugierige. Nur heute Abend, Deutschland gegen Brasilien, gab’s kurzfristig freie Plätze. Jetzt ist die Bude trotzdem voll. Das Körle und Adam war erst Bio, dann vegetarisch, seit einem halben Jahr ist es vegan. „Wir haben jeden Abend 90 Prozent Auslastung“, sagt Herr Körle. „Das das so ein Erfolg wird, hätte ich nie gedacht. Wir haben einen Nerv getroffen.“ Vegan. Überall stolpert man darüber, erst kürzlich gab es in Stuttgart einen Vegan Street Day, auf dem Marienplatzfest wurden vegane Hot Dogs angeboten, vegane Kochbücher überschwemmen den Markt. Ist das nicht nur ein Trend, eine Mode, die wieder verschwindet? Herr Körle schüttelt den Kopf. „Das ist ein Umdenken. In zehn Jahren werden Metzger so exotisch sein wie heute vegane Restaurants. Ich bin da optimistisch. Wir nehmen mit den tierischen Produkten ja auch das ganze Leid der Tiere zu uns.“
Wir sitzen an großen Tischen. Das Essen ist sehr fein. Eine Creme mit Tomatenscheiben auf Rucola, die wie locker-flockiger Frischkäse schmeckt, aber aus Cashews ist. Nussige Quinoa-Buchweizenküchle mit frischen Pfifferlingen und einem Sößlein, das jedes Schwabenherz höher schlagen lässt. Ein köstliches Sorbet mit Kokos, Mango und Melone zum Nachtisch. Dazu ein angeregtes Gespräch mit unseren Tischnachbarn. Das Paar aus Sindelfingen kocht gerne und hat im Januar zwei Wochen vegane Kost ausprobiert. Davor aßen sie alles, Fisch, Fleisch, Milchprodukte, Eier. Und dann die radikale Umstellung, erstmal als Test. Danach fühlten sie sich super. „Wir haben mehr Ausdauer im Sport, keine Mittagstiefs mehr, keinen einzigen Infekt seitdem, und Schnittwunden heilen schneller.“ Klingt wie ein Wunder. Und was sagt die Umgebung? „Erklärt uns für verrückt und denkt, das halten die nicht durch, das ist eine Phase. Aber wir vermissen nichts. Man kann so toll vegan kochen!“ In der Tat wirken die beiden weder ausgezehrt noch bleich noch unglücklich, sondern fit und fröhlich. Und was ist mit Urlaub, Einladungen? „Wir waren in Spanien in einem Hotel mit großem Büffet, da gab’s genug Auswahl. Bei Einladungen geben wir vorher Bescheid und bringen selber was Veganes mit.“ Klingt und wirkt so einfach. Ist es das tatsächlich? „Wir schicken euch mal ein paar Links mit Infos“, versprechen sie. Wir tauschen Mailadressen aus. Fazit: Supernetter Abend, supernette Leute, tolles Essen und eine Menge Stoff zum Nachdenken.

Spargelrisotto

Zitronensorbet mit Mangosoßehttp://www.koerleundadam.de

PS. Leider Kamera vergessen – die Fotos vom Spargelrisotto und vom Zitronensorbet oben (mit Dank an Antje Schmidt-Holzhüter) stammen von einem früheren Restaurant-Besuch, wo wir à la carte gegessen haben. Auch sehr zu empfehlen.

1 Kommentar

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