Gelesen. Marc Elsberg: Blackout

Grusel, grusel, grusel. So könnte man die Lektüre des Thrillers „Blackout“ ganz kurz zusammenfassen. Ich lese normalerweise keine Thriller, vor allem nicht die von der Sorte, wo irgendwelche ahnungslosen Gestalten auf Zäune aufgespießt oder in Einzelteile zerlegt und aufgevespert werden. Wenn schon, dann lese ich Krimis mit psychologisch interessanten Figuren wie die der finnischen Autorin Leena Lehtolainen, oder lustige wie die von Jörg Maurer oder Klüpfel/Kobr. „Blackout“ dagegen ist deshalb so gruselig, weil es ein Szenario entwirft, das erschreckend realistisch erscheint (und es vermutlich auch ist): Eine Gruppe hochintelligenter, anarchistisch denkender Hacker legt erst die Stromnetze in ganz Europa und dann in den USA lahm. Die Konsequenzen sind so umfassend wie unfassbar.

Keine Klospülung, kein Wasser, kein Benzin, kein Lebensmittelnachschub, kein Internet, kein Handy. AKWs machen schlapp, in den Krankenhäusern sterben die Menschen wie die Fliegen. Je länger der Stromausfall dauert, desto mehr lösen sich auch die Strukturen auf, die die Gesellschaften sozial und politisch zusammenhalten. Chaos und Gewalt brechen aus. Mehr will ich jetzt gar nicht verraten. Brillant recherchiert, erzählt der Österreicher Mark Elsberg diese Geschichte nüchtern und sachlich wie eine Chronik und setzt kein bisschen auf Effekte. Im Mittelpunkt steht der italienische Hacker Manzano, der den Tätern von Anfang an auf der Spur ist, von Sicherheitskräften und Krisenzentren aber ständig ausgebremst wird. Eine Freundin sagte mir, sie sei während der Lektüre des Buches jeden Morgen erleichtert gewesen, wenn sie den Lichtschalter betätigt hätte und das Licht angegangen sei. Mir ging’s genauso. Einmal sah ich in der U-Bahn-Station „Österreichischer Platz“ ein paar dunkle Gestalten hinter einer Tür verschwinden, auf der „Strom“ stand, und vermutete sofort das Schlimmste. Das Buch zeigt, wie verwundbar unsere moderne Gesellschaft geworden ist, wie grausam abhängig davon, dass Technik und Technologie funktionieren. Und auch die Hütte auf der Schwäbischen Alb mit Pelletheizung, eigener Quelle und Hühnern im Garten rettet uns nicht, denn dann kommen die anderen und wollen ihren Anteil…

Und noch ein Nachtrag: Vor einigen Tagen ist in der Weißenhofsiedlung das Haus B 10 (Bruckmannweg 10) des Stuttgarter Architekten Werner Sobek eröffnet worden und kann zur Zeit besichtigt werden. Das erste Aktivhaus der Welt kommt mehrere Tage ohne Strom aus. Mehr unter http://www.aktivhaus-b10.de.

Marc Elsberg: Blackout. Morgen ist es zu spät, Blanvalet Verlag.
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1 Kommentar

  1. Also, das Buch ist wirklich der Hammer. Ich hab jede freie Minute gelesen, nur abends nicht, weil ich danach nicht einschlafen konnte. Ich kann es jeder und jedem empfehlen – es sensiblisiert ungemein für die Angreifbarkeit unseres ach so digitalen Lebens. Darüber hinaus finde ich es einen Hammer, dass auf https://ekabatek.wordpress.com/author/ekabatek/ „Autor: Elisabeth Kabatek“ geschrieben steht. Welche Lektorin hat denn da versagt?
    Ich freu mich schon auf den nächsten Blog! Margarita

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