Test: Der E-Book-Reader Tolino Vision

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Die Vorstellung, mir einen E-Book-Reader anzuschaffen, war für mich als Autorin bisher absolut bäh. Ein Buch muss man doch in der Hand halten, fühlen, riechen, umblättern können! Man legt ein hübsches Buchzeichen hinein! Man sieht genau, wie viel man schon gelesen hat! Und wer will schon in der Freizeit einen Bildschirm vor der Nase haben, wenn man den ganzen Tag am PC sitzt? Außerdem sind E-Books natürlich auch eine Gefährdung, wenn man vom Bücherschreiben leben will. Die Verlage reden nicht gerne darüber, aber die Zahl der Raubkopien hat dramatisch zugenommen. Wenn wir nun davon ausgehen, dass jüngere Generationen wenig Bücher kaufen, sondern nur noch digital lesen, stehen uns Autor/innen schwierige Zeiten bevor. Nun habe ich mir aber doch so ein Ding angeschafft. Nur für den Urlaub! Normalerweise schleppe ich nämlich mindestens fünf Bücher mit mir rum, ein, zwei dicke Reiseführer und drei Romane. Viel Platz im Koffer und viel Gewicht. Meine Horrorvision ist nämlich, fernab jeder Buchhandlung festzustellen, dass mir das Buch nicht gefällt, das ich mitgenommen habe. Ich breche Bücher ab, die ich nicht mag, alle Andere ist Zeitverschwendung. Aber was, wenn man dann ohne Buch dasitzt? DAS GRAUEN!! DER GANZE URLAUB VERSAUT!! Mit dem E-Book-Reader hat man kein Gewichtsproblem, kann sich eine Auswahl von Titeln draufladen und zur Not unterwegs online nachkaufen. Das Gerät ist auch super, wenn man mehrere Tage wandert und so wenig wie möglich schleppen will.

Es gibt zwei Marktführer im E-Book-Bereich, den Kindle von Amazon und den Tolino. Nach den ganzen Diskussionen um Amazon ist klar, dass Amazon sich total disqualifiziert hat. Ich kann auch der Autorin Juli Zeh nicht zustimmen, die in der Stuttgarter Zeitung erklärt hat, man kann Amazon doof finden und trotzdem dort kaufen. Hallo? Kaufen ist doch wie wählen gehen! Die einzige Möglichkeit, mit der ich als Individuum meine Meinung ausdrücken kann! Wenn alle Leute aufhören würden, bei Amazon zu kaufen, würde sich der Laden ganz schön umgucken! Wer sich einen Kindle kauft, kettet sich bis an sein Lebensende an Amazon (das Format heißt Mobi) und kann nur E-Books bei Amazon kaufen. Trotzdem wäre ich beinahe der Versuchung erlegen, nämlich weil die Stiftung Warentest (die ja so was wie Gott ist) im Februar 2014 den Kindle Paperwhite 2 zum Testsieger vor dem Tolino Shine 2 erklärt hat. Vor allem die Bildqualität und der Kontrast des Amazon-Produktes sollten besser sein. „Was hast du davon, wenn du politisch korrekt am Strand liegst und dein E-Book nicht lesen kannst?“, bemerkte mein Büronachbar Thomas zu Recht. Also doch Amazon? Und nun kommt die gute Nachricht. Es gibt schon einen Nachfolger des Tolino Shine (99 Euro), den Tolino Vision (129 Euro). Der Tolino ist ein Produkt u.a. von Weltbild, Thalia, Hugendubel und der Telekom. Auch Konzerne, aber immer noch besser als Amazon. In einem Test von „Computerbild“ schneidet der neue Tolino besser ab als der Kindle (wir gehen jetzt mal davon aus, die Tests laufen anders als beim ADAC).

Jetzt bin ich also stolze Besitzerin eines Tolino Vision. Um es gleich zu sagen: Das Schriftbild ist fantastisch und sehr buchähnlich, und deutlich besser als das des Shine, die 30 Euro mehr lohnen sich also in jedem Fall. Man kann damit im Dunkeln lesen, ohne jemand anderes mit Licht nerven zu müssen. Das Blättern/Aufbauen von Seiten dauert manchmal ein bisschen, aber man gewöhnt sich daran. Das Ding ist klein und handlich und nie mehr werde ich im Urlaub Angst haben, mir geht die Lektüre aus. Der Tolino hat einen weiteren großen Vorteil: Tolino nutzt das Format Epub und man kann damit in öffentlichen Bibliotheken E-Books ausleihen. Mit dem Kindle NICHT!! Bezahle ich also meine Jahresgebühr von momentan 18 Euro bei der Stadtbibliothek Stuttgart, steht mir dafür die komplette E-Book-Bücherei zur Verfügung und ich kann online für 14 Tage Bücher herunterladen. Und theoretisch kann ich das auch bei jeder anderen Bibliothek tun, deren Bestand mich interessiert.

Nun, nachdem ich den Tolino im Urlaub getestet habe, kann ich vermelden: Ein E-Book-Reader ist ein Kompromiss. Es ist nicht wie Buch lesen. Es fühlt sich anders an, irgendwie nicht so heimelig. Man muss das Ding aufladen, man muss die Daten synchronisieren, man muss sich mit Adobe Digital Editions herumschlagen, es ist eben wie ein kleiner Computer, in den man sich erst einmal einarbeiten muss. Man kann den Tolino nicht einfach herumliegen lassen, weil man Angst hat, er wird geklaut. Andererseits ist das Ding so klein und handlich, dass ich es praktisch ständig dabeihabe. Wenn mir jetzt die U-Bahn davonfährt und ich 19 Minuten warten muss, klappe ich einfach den Tolino auf und lese, bis die Bahn kommt…

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