Wir sind das Rad: Durch die Stadt mit „Critical Mass“

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Tag der Einheit, 18.30 Uhr. Hunderte von Radlerinnen und Radlern versammeln sich am Feuersee. Nein, ausnahmsweise keine Demo gegen Stuttgart 21, sondern das monatliche Treffen von „Critical Mass“. Critical Mass? Nie gehört?

Critical Mass, die kritische Masse, ist eine natürlich aus den USA, natürlich aus San Francisco stammende, weltweite Bewegung, die es in vielen deutschen Städten gibt, in Stuttgart regelmäßig seit 2010, jeden ersten Freitag im Monat. Die Idee ist simpel: Die Zurückeroberung des öffentlichen Raums, der Straße, von den Autos, Werbung fürs Fahrradfahren. In Stuttgart bedeutet das, gute zwei Stunden mit Polizeiauto vorn, Polizeiauto hinten und Polizeimotorrädern drumherum zu radeln, auf gesperrten Straßen. Kurze Zusammenfassung: Es ist großartig! 500 Menschen unterschiedlichsten Alters, viele jung, manche sehr jung, weil viele Familien dabei sind, radeln extrem entspannt durch die Stadt. Dazu Musikbegleitung und ein DJ. Schnell oder sportlich ist das nicht, so dass auch die Kids kein Problem haben. Wir fahren kreuz und quer auf den Hauptverkehrsadern, dort, wo sich normalerweise die Blechlawinen knubbeln. Theodor-Heuss, am Hauptbahnhof einmal um die Kurve, die Radler am Anfang begegnen den Radlern am Ende und klingeln sich zu. Auf der Hauptstätter Straße geht die Ampel auf rot und wir werden geblitzt, großes Gejohle. Erneut großes Gejohle, als wir in den Tunnel auf der B14 einfahren. Hier stand ich einen Tag zuvor auf dem Weg zu einer Lesung in einem grauenhaften Stau, Stoßstange an Stoßstange, nichts ging mehr, und jetzt sausen wir nur so hindurch. Ja, es ist ein großartiges Gefühl, wenn die Straße dem Fahrrad gehört, und diese Fröhlichkeit überträgt sich auch auf die Menschen am Straßenrand, die staunen, gucken, winken und lachen. Die Autofahrer lachen weniger, manche sind ziemlich bös, aber die freundlichen Ordnerinnen und Ordner von Critical Mass verteilen Infoflyer und führen Gespräche. Nach gut zwei Stunden kommen wir bei den Wagenhallen an, wir rumpeln im Dunkeln über Kopfsteinpflaster und große Schlaglöcher. Die Radwerkstatt für Afrika bewirtet zu Solipreisen, es gibt Kürbissuppe, Bier, Radler und Bionade, Musik läuft und bei gemütlichen Plaudern klingt das Radeln aus.

Heimradeln von den Wagenhallen, einmal quer durch die Stadt. Aufpassen wie ein Luchs: Autos ziehen knapp vorbei, Fußgänger laufen einfach auf die Straße, den Blick starr aufs Handy gerichtet. Mit Demo war’s schöner.

A propos Demo: am Samstag bundesweite Demos gegen das Freihandelsabkommen TTIP, in Stuttgart ab 12 Uhr am Wilhelmsplatz!
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http://www.criticalmassstuttgart.wordpress.com

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