Der Manfred-Rommel-Flughafen oder: wie man sich international blamiert, ohne es zu merken

Jetzt ist es also offiziell: Gestern wurde der Flughafen Stuttgart umbenannt in Manfred-Rommel-Flughafen. Alle waren sofort Feuer und Flamme, als die Idee im April dieses Jahres aufkam: Rommels Frau Liselotte, der Stuttgarter Gemeinderat, der es nur auf vier traurige Enthaltungen brachte, und das Fritzle. Wer wollte auch etwas einwenden? Schließlich ist Rommel unsere Lichtgestalt, ein gemeinsamer Nenner, auf den sich alle einigen können. Er war liberal und tolerant, hat Stuttgart mit seiner fortschrittlichen Ausländerpolitik geprägt und lustige Bücher geschrieben. Okay, dass er Stuttgart 21 mit auf den Weg gebracht hat, wollen wir ihm mal nachsehen. Keiner hat also was gegen die Umbenennung! Doch. Ich.

Nicht, weil ich was gegen Manfred Rommel hätte. Ganz bestimmt nicht. Dass er die RAF-Terroristen gegen alle Widerstände auf dem Dornhalden-Friedhof hat begraben lassen, war ein Ausdruck tiefster Menschlichkeit. Aber ich habe deshalb richtige Bauchschmerzen, weil sich unsere provinziell denkenden Politiker und Flughafenbetreiber nicht im Mindesten ausmalen, was der Name „Rommel“ international bedeutet. Rommel, das ist Erwin, nicht Manfred, das ist der Zweite Weltkrieg, das ist der Wüstenfuchs, das ist der Afrika-Feldzug. „Germans to rename Stuttgart airport after the son of the Nazi general“, schrieb der britische Daily Mirror im April. Genau, der Nazigeneral. Das verbindet man mit dem Namen Rommel, vor allem im englischsprachigen Ausland. Selbst der BBC griff das Thema auf.

Das Fritzle hat gestern betont, das mit der Verwechslungsgefahr sei halb so wild, weil man ja extra den Vornamen dazu genommen hat. Kann gar nix passieren. Man glaubt also ernsthaft, dass man außerhalb Deutschlands weiß, wie Rommel mit Vornamen hieß? Und den Unterschied zwischen Vater und Sohn kennt? Was für eine Arroganz! Oder vielmehr Dummheit. Die wenigsten werden im englischsprachigen Ausland begreifen, dass mit Rommel ein harmloses Bürgermeischderle und kein Nazi-Feldherr gemeint ist. Sie werden glauben, dass die Stuttgarter jetzt, mit ordentlich Abstand zum 2. Weltkrieg, die alten Kriegskämpen wieder herauskehren, weil es ja ach so lange her ist.

Es spricht doch überhaupt nichts dagegen, Manfred Rommel zu ehren. Aber musste es ausgerechnet der Flughafen sein, das Internationalste, was Stuttgart aufbieten kann? Auch Theodor Heuss war im Gespräch, warum hat man nicht ihn genommen, wenn man schon einen Namen braucht? Und für Rommel was Anderes gesucht, in der Stadt? Froh sein kann man nur, dass Stuttgart in den Suchmaschinen und auf den Gepäckaufklebern nach wie vor STR und nicht MRF heißen wird. So wird wenigstens der Albtraum einer Leserin nicht wahr, die an die Stuttgarter Zeitung schrieb, dass sie sich nicht traue, mit dem Namen „Rommel“ auf dem Gepäckaufkleber nach Israel einzureisen.

Obwohl. Vielleicht sollte man sich gar nicht allzu viele Sorgen machen. Denn wenn man die fünf vom Wind verwehten Gestalten auf dem Foto in der Stuttgarter Zeitung betrachtet, wie sie da vor dem Straßenschild mit dem Schriftzug Manfred-Rommel-Flughafen stehen, Flughafenvertreter + OB + Rommel-Familie, dann denkt man wieder: Ein Schildle auf der Flughafenstraße. Ein Schriftzug auf der Vorderseite des Abfertigungsgebäudes. Das ist alles. „Für unsere ausländischen Gäste“, betonte Flughafen-Geschäftsführer Georg Fundel. Man kann nur hoffen, dass die es nicht sehen. Dass der Flughafen Berlin-Tegel eigentlich „Otto-Lilienthal“ heißt, weiß ja schließlich auch keiner…

P.S. Im Augenblick läuft in den Kinos die Verfilmung des Megasellers „Gone Girl“. Leider habe ich den Film nicht gesehen, aber unter „Buchkritiken“ gibt es eine Buchbesprechung.

P.P.S. Vor einigen Monaten habe ich hier das Buch „Blackout“ von Marc Elsberg in den Himmel gelobt. Den Nachfolger „Zero“ kann man sich dagegen sparen. Bestimmt hat der Verlag gesagt, Marc, Schätzchen, jetzt brauchen wir aber gaaanz schnell ein neues Buch von dir, weil wir an dir so toll verdienen. Das Ergebnis: Magere Story, schlecht geschrieben und noch schlechter redigiert. Schade, aber dieses Buch ist einfach nur ärgerlich!

1 Kommentar

  1. teilweise sind die geschilderten Bedenken berechtigt, aber meiner Meinung nach sollte man diese Umbenenneung nicht so hoch aufhängen – wen interessiert schon der Name eines Flughafens, der lediglich eine Start- und Landebahn hat. Und mit nur 100 Flugzielen ist der Stuttgarter Flughafen sicher nicht das Internationalste, was unsere Landeshauptstadt zu bieten hat. Stuttgarts Internationalität zeigt sich aktuell mit der Neueröffnung des Weltcafés und des Weltladens (endlich in zentraler Lage) und eines Welcome Centers- alles zusammen als Begegungsstätte und Beratungsstelle für Menschen aller Nationen. Darüber wird sich doch mal lohnen, zu schreiben!

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