Hängebauchschweine zum Vierzigsten oder: Neues aus Hollywood

Schauspielerin Kate Winslet ist vierzig geworden und hat sich, was könnte näher liegen, zu diesem Anlass zwei Hängebauchschweine gewünscht, als Ergänzung zu ihren acht Hühnern. Die Schweine heißen Mable und Socks. Ich dagegen habe Kate Winslets runden Geburtstag zum Anlass genommen, endlich, endlich „Titanic“ zu gucken.

Ja, ich traue mich gar nicht, es laut zu sagen, aber ich habe den Film 1998 tatsächlich verpasst. Ich war dann ein bisschen enttäuscht, dass der berühmte Song „My heart will go on“ zwar in tausend Orchester-Variationen im Film vorkommt, aber erst im Abspann tatsächlich von Celine Dion gesungen wird (am 31. März/1. April nächstes Jahr gibt es übrigens „Titanic Live“ mit Symphonieorchester und Chor in der Stuttgarter Liederhalle). Ich habe den Song einmal in einer Karaoke-Bar in Finnisch-Lappland vorgetragen und damit die anwesenden Finnen zu Tränen gerührt, was vermutlich weniger an meinem fantastischen Vortrag lag als daran, dass der Finne an sich Karaoke liebt, im Allgemeinen zur Melancholie und in der Karaoke-Bar zu starkem Alkoholkonsum neigt, aber das ist eine andere Geschichte.

Ich kann mir vorstellen, dass die auf die Titanic hereinbrechenden Wassermassen auf der großen Leinwand deutlich dramatischer wirken als auf einer DVD auf dem mickrigen Bildschirm meines Computers. Andererseits hat es mich so schon genug gegruselt, vor allem, als das Schiff in zwei Hälften bricht und sich das Heckteil steil aufrichtet, so dass ein Großteil der Passagiere, die sich noch an der Reling festklammern, ins eiskalte Wasser stürzt.

Noch gruseliger wird der Film dadurch, dass er sich trotz der erfundenen Liebesgeschichte zwischen Jack (Leonardo DiCaprio – hach, sah der gut aus) und Rose (Kate Winslet – wunderschön anzusehn) doch ziemlich genau an die historischen Fakten hält. Demnach hätten viel mehr Menschen gerettet werden können, wäre die Evakuierung schneller und geordneter erfolgt. Weil die Titanic aber als unsinkbar galt und der Kapitän zauderte, nahm niemand die Notlage wirklich ernst. Die Rettungsboote hätten viel mehr Menschen aufnehmen können, wurden aber halbvoll zu Wasser gelassen. Weil es nicht genügend Rettungsboote für alle Passagiere gab, wurden die Passagiere der 3. Klasse geradezu auf den unteren Decks eingesperrt, damit sie nicht auch noch Plätze in den Rettungsbooten beanspruchten. Trotz der Hilferufe der im Wasser treibenden Menschen kehrte nur ein einziges Rettungsboot zurück, um nach Überlebenden zu suchen. Da waren die meisten schon im eisigen Wasser erfroren. Das erinnert mich doch schon wieder sehr an das Drama am Mount Everest (siehe Blog in der Kategorie „Gelesen“ zu „In eisige Höhen“): Der Mensch glaubt in seiner unendlichen Arroganz, die Natur beherrschen zu können, aber die schlägt ihm ein Schnippchen, und wenn es dann um’s nackte Überleben geht, schaut jeder nur, dass er die eigene Haut rettet.

Auf jeden Fall ist es interessant, Liebesfilme Jahre später anzuschauen. Die dramatische Liebesgeschichte zwischen Rose und Jack funktioniert auch heute noch. Anders ging es mir mit dem Film „Die Brücken am Fluss“ mit Meryl Streep und Clint Eastwood. Der ist nur ein paar Jahre älter als „Titanic“ und ich habe ihn vor kurzem wiedergesehen. Auch hier geht es um eine unmögliche Liebe zwischen einem Fotografen von „National Geographic“ und einer Farmersfrau, aber irgendwann gingen mir die beiden nur noch auf den Wecker. Wieso opfert sich Francesca für ihre undankbare Familie auf der Farm in the middle of nowhere, anstatt mit Robert wegzugehen? Okay, natürlich kann ein weitgehend auf zwei Figuren reduzierter Film nicht wirklich mit einem Drama à la Titanic konkurrieren, das einfach auch ein grandioser Ausstattungs- und Kostümfilm ist, und Clint Eastwood in seiner ausgeprägten Gesichtsfaltigkeit nicht mit Leonardo DiCaprio. Gestern habe ich mir noch einen faltigen Filmveteranen angeschaut: Robert Redford in „Picknick mit Bären“ (A walk in the Woods, nach einem Buch von Bill Bryson). Komischerweise stören mich Redfords Falten überhaupt nicht, was beweist, dass Falten nicht gleich Falten sind. Dieser Film über zwei nicht mehr ganz junge Helden, die mit zu schweren Rucksäcken den Appalachian Trail wandern, hat neben Falten sehr viele sehr komische Szenen und ganz wunderbare Naturaufnahmen zu bieten. Und Kate Winslet hat heute beklagt, dass es eine Schande ist, dass Männer die Filmwelt dominieren und Frauen schlechtere Gagen bekommen. Da kann man bloß sagen: Not just a pretty face.


P.S. Am Freitag, 11. Dezember gibt es eine Benefizlesung für UMFs (Minderjährige Unbegleitete Flüchtlinge) im Theaterhaus Stuttgart, bei der Flüchtlinge, Nilgün Tasman, Wolfgang Schorlau und Elisabeth Kabatek lesen. Alles Weitere hier:
Jeder hat seine Geschichte

P.P.S. Am Samstag Lesung im Wurmbergkeller in Hessigheim! Mit gutem Wein!

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