Da waren’s nur noch drei: Eine Tierart stirbt aus

Es war nur eine kleine Notiz in der Stuttgarter Zeitung diese Woche: Im Zoo von San Diego musste Nola, ein Breitmaulnashorn, wegen einer bakteriellen Infektion eingeschläfert werden. Hat die Welt nicht andere Sorgen als den Tod eines Nashorns? Ja und nein. Tatsächlich steckt hinter Nolas Tod das schon fast alltägliche Drama des Aussterbens von Tierarten.

Es gibt insgesamt fünf Nashornarten, von denen zwei, das Breitmaul- und das Spitzmaulnashorn, in Afrika leben. Das Breitmaulnashorn wiederum spaltet sich in zwei Unterarten auf, das Nördliche (engl. „Northern White Rhino“) und das Südliche („Southern White Rhino“). Vom Südlichen Breitmaulnashorn gibt es noch etwa 20.000 Exemplare, wobei sich die Wilderer zur Zeit sehr heftig anstrengen, diese Zahl wie auch die Zahl der Elefanten in Afrika so rasch wie möglich zu dezimieren. Vom Nördlichen Breitmaulnashorn gibt es seit dieser Woche, dem Tod Nolas, noch ganz genau drei Exemplare. Diese leben in der Ol Pejeta Conservancy, einem privaten Schutzgebiet in Kenia am Fuße des Mount Kenya. Dort habe ich 2010 zwei Wochen an einem Nashornschutzprogramm mit anderen Freiwilligen aus aller Welt teilgenommen, organisiert von der NGO „Earthwatch“, die Expeditionen zum Arten-, Tier- und Klimaschutz in der ganzen Welt anbietet – ein absolut überwältigendes Erlebnis mit Tierbegegnungen auf Augenhöhe (im wahrsten Sinne des Wortes).

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Es gibt jetzt in Ol Pejeta noch zwei weibliche und ein männliches Nördliches Breitmaulnashorn. Sie wurden 2009 vom Dvůr Králové Zoo in Tschechien nach Kenia gebracht. Ursprünglich war noch ein weiteres Männchen dabei, aber es starb im Juli dieses Jahres. Natürlich bestand die große Hoffnung, das Männchen würde sich mit einem der beiden Weibchen paaren und so den Fortbestand der Art sichern, aber das ist nicht passiert. Also suchte man nach Alternativen: ein Südliches Breitmaulnashorn wurde mit den beiden Weibchen zusammengebracht, um wenigstens einen Teil der Gene zu erhalten. Doch auch das funktionierte nicht. Später ergaben Tests, dass beide Weibchen nicht in der Lage sind, sich auf natürlichem Wege fortzupflanzen.

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Bis jetzt gibt es keine Stammzellentechnologie, um Nashörner künstlich zu befruchten, doch Experten von Ol Pejeta, IZW Berlin (Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research) und Dvůr Králové wollen das ändern, um das Aussterben des Nördl. Breitmaulnashorns in letzter Minute zu verhindern. Allein, das kostet Geld, und deshalb gibt es unter dem Slogan „Make a Rhino“ einen Spendenaufruf an die ganze Welt.

Bis zu 58.000 Tierarten sterben jährlich aus. Ist das nicht beschämend? In Afrika ist es vor allem die Wilderei, die Nashörner und Elefanten bedroht. Ende der sechziger Jahre gab es noch 2000 Nördliche Breitmaulnashörner. Im Tsavo-Nationalpark in Kenia hat man sogar eine Zeitlang den Elefantenbestand durch Abschießen reduziert, weil man glaubte, die Population würde überhand nehmen. Diese Zeiten sind längst vorbei. Die Preise für Elfenbein sind ins Astronomische gestiegen, und noch immer glauben Menschen, dass das zermahlene Horn des Nashorns potenzsteigernd oder gar krebsheilend sei. Vor allem in Asien blüht der Schwarzmarkt, ein Kilo Nashornpulver bringt bis zu 60.000 Dollar.

Für diesen hohen Preis riskieren die Wilderer ihr Leben. Als ich in Ol Pejeta einen der Ranger des KWF, des Kenyan Wildlife Funds fragte, was er macht, wenn er einen Wilderer erwischt, ob er ihn etwa ins Bein schießt, antwortete er sehr verwundert, „O no, we shoot to kill.“ Die Ranger haben eine paramilitärische Ausbildung. Trotzdem scheint dies die Wilderer nicht abzuschrecken, und in einem bitterarmen Land wie Kenia verspricht das schnelle Geld schnellen Reichtum, mit dem man die Familie jahrelang durchbringen kann. Dabei werden die Nashörner teilweise sogar mit Drohnen überwacht, und die drei letzten ihrer Art in Ol Pejeta sogar rund um die Uhr.

Ja, es gibt im Moment dringendere Probleme als das Aussterben des Nördlichen Breitmaulnashorns. Und doch ist es unendlich traurig.

Spenden für die „Make a Rhino, save a species“ Kampagne (alle Spenden werden für die Forschung der In-Vitro-Fertilisation verwendet, Zahlungen über Paypal möglich):

https://www.gofundme.com/makearhino

http://www.izw-berlin.de

http://www.olpejetaconservancy.org

http://eu.earthwatch.org/

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