Endlich Genugtuung: Die Landesregierung entschuldigt sich heute bei den Opfern des „Schwarzen Donnerstags“

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Es hat gut fünf Jahre gedauert. Am 18. November hat das Verwaltungsgericht Stuttgart den Polizeieinsatz gegen Demonstranten am sogenannten „Schwarzen Donnerstag“ für rechtswidrig erklärt, und für heute hat Ministerpräsident Kretschmann die sechs Kläger in die Villa Reitzenstein eingeladen, um sich im Namen der Landesregierung zu entschuldigen.
Der 30. September 2010 war der Tag, an dem mein Glauben an die Demokratie aufs Heftigste erschüttert wurde. Ich werde das nicht vergessen, wie ich mit meiner Freundin Angelika durch den Schlossgarten lief, weil Gerüchte aufgekommen waren, die Bahn wolle mit den Baumrodungen für Stuttgart 21 beginnen, obwohl das erst ab dem 1. Oktober erlaubt war. Wir stolperten gegen halb elf über Wasserwerfer und Hunderte von Polizisten. Was danach kam, ist mittlerweile Geschichte. Schüler, die das Ganze für einen riesigen Spaß hielten, blockierten die Wege mit einer Sitzblockade. Wir saßen mittendrin. Und dann ging es los, mit Schlagstöcken und Tränengas malträtierte die Polizei aufs Übelste die teilweise gerade mal elf, zwölf, dreizehn Jahre alten Jugendlichen. Dann kamen die Wasserwerfer. Hunderte von Menschen wurden verletzt, Dietrich Wagner verlor fast sein komplettes Augenlicht. Mir ist der Tag als komplettes Trauma in Erinnerung (die genaue Geschichte ist nachzulesen in meiner „Gebrauchsanweisung für Stuttgart“). Die Polizei ließ das Rote Kreuz nicht durch, und so dauerte es endlos, bis die Verletzten Hilfe bekamen.

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Jahrelang galten die Demonstranten als selber schuld, räumte niemand bei der Polizei Fehler ein. Der Polizeipräsident wurde in den Vorruhestand geschickt, Mappus wurde abgewählt, Tanja Gönner hat den Job gewechselt, Mails verschwanden, und noch vor einem Jahr wurde am Landgericht das Verfahren gegen zwei Polizeiführer wegen geringer Schwere der Schuld eingestellt. Das alles waren ständige Schläge ins Gesicht derjenigen, die damals schwere Verletzungen davontrugen. Es war nicht die Grüne Landesregierung Kretschmann, die für den Polizeieinsatz verantwortlich war. Um so symbolischer ist es, dass Kretschmann sich heute entschuldigen will, als Repräsentant eben dieser Landesregierung. Dabei wissen alle Beteiligte, dass Mappus der Strippenzieher hinter dem Polizeieinsatz war. Doch auf eine Entschuldigung von ihm wird man warten können, bis man so schwarz wird wie der Schwarze Donnerstag.

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P.S. In der Mediathek der ARD gibt es einen ganz fabelhaften Film, an dem meine Freundin Claudia Constantin mitgearbeitet hat: „So tickt Europas Jugend“, ein Bericht aus sechs europäischen Ländern.

http://www.ardmediathek.de/tv/Reportage-Dokumentation/Die-Story-im-Ersten-So-tickt-Europas-Ju/Das-Erste/Video?documentId=32090950&bcastId=799280

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