Ausstellung: Ein jüdischer Schwabe erfindet Hollywood

Carl Laemmle? Hätten Sie’s gewusst? Ich nicht, nie gehört. Aber die Universal Studios sagen Ihnen was, und „Dracula“ und „Frankenstein“ kennen Sie auch? Carl Laemmle aus dem oberschwäbischen Laupheim fuhr 1884 mit einem Auswanderungsdampfer nach New York, gründete dort die Universal Studios und wurde einer der einflussreichsten Produzenten in Hollywood.

Dieser unbekannten, unglaublichen Geschichte widmet das „Haus der Geschichte“ in Stuttgart jetzt eine Ausstellung. „Carl Laemmle presents“ heißt es noch bis 30. Juli 2017. Mit vielen Fotografien, Filmpostern und Filmausschnitten wird dokumentiert, wie Laemmle, quasi bei Null anfangend, ein weltweites Imperium gründete. Er war der erste, der eine ganze Filmstadt bauen ließ (Universal City), er begründete den Starkult vorher namenloser Filmstars, er kultivierte das Horrorfilm-Genre und scharte doch trotz allem Glamour immer seine oberschwäbische Familie um sich. Laemmles großer Verdienst, neben dem künstlerischen, war die Rettung unzähliger Menschenleben im Nationalsozialismus. Er selbst stellte, so lange man ihn ließ, unzählige Affidavits aus, also Bürgschaften für deutsche Juden, die diesen die Ausreise nach Amerika ermöglichten, und überzeugte auch andere Persönlichkeiten, wie beispielsweise den Regisseur William Wyler („Ein Herz und eine Krone“), sich für deutsche Juden einzusetzen.

Trotz seines zutiefst humanitären Engagements, trotz seiner tiefen Verachtung für den Krieg, die sich vor allem im Antikriegsklassiker „Im Westen nichts Neues“ nach dem Roman von Erich Maria Remarque ausdrückt, wird der Mensch Carl Laemmle in der Ausstellung wenig greifbar. Was bewog einen jungen Mann, aus der tiefsten oberschwäbischen Provinz nach Amerika auszuwandern? Woher kam sein Mut, seine Visionen, sein innovativer Geist? Oder ist er einfach ein „typischer“ Schwabe gewesen – bodenständig und geizig einerseits (er verlor einige der großen Filmstars, weil er ihnen nicht mehr Gage zahlen wollte, als sie berühmt wurden, und hielt seine Mitarbeiter an, Telegramme im Kurzstil zu formulieren, um Geld zu sparen), visionär und erfinderisch andererseits? Darüber hätte man doch gerne mehr gewusst, und auch über seine offensichtlich grenzenlose Spielsucht. Trotz dieser Schwächen ein unbedingt lohnenswerter Museumsbesuch! Morgen, Dienstag 17. Januar feiert das Museum von 18 bis 22 Uhr bei freiem Eintritt den 150. Geburtstag von Carl Laemmle mit einer großen Geburtstagstorte (Eintritt frei)!

Ebenfalls sehr lohnenswert: Der Kinofilm Paula, der die Lebensgeschichte der Malerin Paula Modersohn-Becker erzählt. Statt Blümchen malt Paula in Worpswede Bauernkinder und Greise. Ihr Stil ist revolutionär, und außerdem ist sie eine Frau, deshalb hat sie ihr ganzes Leben lang mit Missgunst und männlicher Verachtung zu kämpfen. Nicht einmal ihr Mann Otto Modersohn, selbst Maler, erkennt ihr Talent, geschweige denn, dass er es anerkennt. Paula flieht nach Paris, wo sie ihre Begabung endlich ausleben kann, aber von ständigen Geldnöten geplagt ist. Schließlich kehrt sie zurück nach Worpswede und stirbt mit nur 31 Jahren kurz nach der Geburt ihrer Tochter. Ein kurzes, intensives, ungemein produktives Leben. Berühmt wurde Paula erst nach ihrem Tod. Das 1927 in Bremen erbaute Museum ihres Namens war das erste Museum weltweit, das einer Malerin gewidmet wurde. Auch wenn der Film ein paar biographische Fakten vereinfacht, unbedingt anschauen, bevor er aus dem Programm fliegt!

Und am kommenden Samstag, 21. Januar, feiert die Buchhandlung Wittwer 150jähriges Jubiläum! Ab 14 Uhr Aktionen im ganzen Haus am Schlossplatz. Um 16 Uhr spricht OB Kuhn ein Grußwort, danach interviewt Tom Hörner von den Stuttgarter Nachrichten folgende Gäste:

16 Uhr Alicia Amatriain und Friedemann Vogel, die Stars des Stuttgarter Balletts
16.15 Uhr Petra Durst-Benning und Elisabeth Kabatek (anschließend Signieren!)
16.30 Uhr Eric Gauthier und Vincent Klink

Mehr unter
https://www.wittwer.de/shop/action/mymagazine/100643/150_jahre_buchhaus_wittwer.html?aUrl=90009134

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