Wie ich einmal auf einem Vogel Strauß ritt

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Manche Menschen verwandeln sich im Urlaub. Plötzlich tun sie Dinge, die sie im normalen Leben kopfschüttelnd in die Kategorie „Nur für Bekloppte“ einordnen würden. Sie springen mit einem Gummiband um die Beine von hohen Brücken. Sie ziehen im Cluburlaub einen Hut auf und singen spärlich bekleidet „You can leave your hat on.“ Sie betrinken sich öffentlich und werden peinlich. Ich verstehe nicht, warum sich Menschen so etwas antun! Ich bin im Urlaub nicht anders als sonst. Ich habe mich unter Kontrolle und tue nichts, was ich nicht auch zu Hause tun würde.

Einmal besichtigte ich im Urlaub in Südafrika eine Straußenfarm. Nicht, dass es mich so wahnsinnig interessierte, aber ich war auf einer Gruppenreise und zwei der mitreisenden Frauen, mit denen ich mich angefreundet hatte, überredeten mich, mitzukommen. Wir erhielten zunächst eine Einführung in die Entwicklung des Straußeneis, wurden dann mit einem Traktor über das Gelände gekarrt und gingen schließlich zu Fuß weiter. Der Guide bat die Gruppe, auf einer Zuschauertribühne mit Blick auf eine Koppel Platz zu nehmen und verkündete feierlich, als Höhepunkt unserer Tour gäbe es jetzt für ein paar ausgesuchte Besucher die einzigartige Gelegenheit, auf einem Vogel Strauß zu reiten. Aus einem plötzlichen Impuls heraus hob ich die Hand. Als Teenager war ich pferdeverrückt gewesen. Das war zwar eine Weile her, aber Reiten verlernte man nicht, und sicher machte es nicht so einen großen Unterschied, ob man auf einem Pferd oder einem Vogel Strauß saß. Der Guide malte nun den Ritt in leuchtenden Farben aus. Der Vogel Strauß sei ja nun ein schnelles Tier, und man würde ihn zu Höchstgeschwindigkeiten antreiben. Ich lachte. Das war sicher eine maßlose Übertreibung, um die Führung interessanter zu machen.

Erste Zweifel kamen mir, als mir der Guide ein Formular zum Unterzeichnen unter die Nase hielt. Darauf stand, dass ich diesen Ritt auf eigene Gefahr absolvierte und über mögliche Risiken aufgeklärt worden sei. Danach musste ich eine dicke Schutzhose anziehen und Hüllen über meine Schuhe stülpen. Langsam wurde ich nervös. Dann wurde der Vogel auf die Koppel geführt. Auf dem Rücken trug er eine grüne Plastikplane und über dem Kopf eine Art Tüte, die die Augen bedeckte, weil er sonst nicht zu halten sei, wie der Guide ausführte. Jetzt war ich nicht mehr nervös, sondern panisch. Trotzdem ließ ich mir von zwei Straußenpflegern auf das Tier und in die richtige Position helfen. Die Beine unter dem Straußenbauch verschränkt, in die Waagrechte zurückgelehnt, klammerte ich mich an den Flügelansätzen am Rücken fest. Spätestens jetzt wurde mir klar, dass mir meine Reitkenntnisse hier nur bedingt von Nutzen waren. Dann zog einer der Pfleger dem Vogel Strauß die Tüte vom Kopf.

An den eigentlichen Ritt erinnere ich mich nicht so gut. Ich weiß nur, dass ich mich verzweifelt an den Flügeln festkrallte, ohne Unterbrechung „O my God, o my God“ kreischte und so ein Vogel Strauß ein ganz schönes Tempo vorlegen kann, vor allem, wenn er noch mit einem kleinen Stöckchen angetrieben wird. Irgendwann rutschte ich erschöpft von dem Tier herunter und stellte erstaunt fest, dass die Zuschauer auf der Tribüne nicht mehr konnten vor Lachen. Meine beiden Begleiterinnen brachen bis zum Ende des Urlaubs in regelmäßigen Abständen in hysterisches Gekicher aus, wenn sie mich sahen. Ich wußte dann, woran sie dachten. Am Ende des Urlaubs bedankte sich Helen bei mir, dass ich ihr mit dem Ritt auf dem Vogel Strauß den lustigsten Moment dieses Urlaubs beschert hatte.

Bungeejumping? Peinlicher Auftritt im Club? Niemals würde ich mich öffentlich so lächerlich machen, nur weil ich im Urlaub bin.

Mehr meiner Kolumnen in der Reihe „Wie ich einmal…“ gibt es in der Zeitschrift „Daheim in Deutschland“ (Reader’s Digest) zu lesen! Alle zwei Monate am Kiosk. http://www.daheim-in-deutschland.de

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