Gesehen. James Bond: Spectre

Ich war nie ein großer James-Bond-Fan und habe viele Filme verpasst. Wieder eingestiegen bin ich mit Skyfall.

Der Film war grandios. Er zeigte einen angeschlagenen Helden, der mit dem Alter und nachlassender Fitness kämpft, die Dialoge waren extrem witzig und selbstironisch, und der ganze Film war voller Selbstverweise auf die Bond-Historie. Das Ende war wunderbar düster und der Tod von M (Judi Dench) ein absoluter Paukenschlag. Nicht zu vergessen der Song von Adele, vielleicht der beste Bond-Song aller Zeiten.

Um es gleich zu sagen: Spectre, der neue Bond-Film, kann das alles nicht toppen, vielleicht mit Ausnahme der Actionszenen, die so unglaublich spektakulär sind, dass man sich fragt, wieviel Budget, Stuntmen und Bildbearbeitung nötig sein werden, um dies dann wiederum im nächsten Film zu überbieten. Denn natürlich entkommen die 007-Macher diesem Wahnsinns-Druck nicht: dass jeder Film überraschender, sensationeller, verrückter sein muss als der vorherige. Die Eröffnungssequenz in Mexiko-City mit ihren Tausenden von Statisten wird sicher in die Filmgeschichte eingehen. Was dann folgt, ist ein handwerklich fabelhaft gemachter, extrem spannender, und doch sehr konventioneller Bond-Film, der nichts auslässt, was einen typischen 007 ausmacht: Action, schnelle Autos, von „Q“ entwickelte gadgets, böse Buben, Verfolgungsjagden, ein romantisches Dinner im Zug mit anschließendem (angedeutetem) Sex, der Besuch in der Hölle des Löwen, also im Headquarter des Oberschurken, sowie die Rettung der Heldin. Dass sich der Oberschurke dann als Ober-Oberschurke über alle vergangenen Bond-Bösen entpuppt, ist zwar eine nette Idee, aber ehrlich gesagt war Javier Bardem in Skyfall tausendmal fieser und zynischer als Christoph Waltz. Die Enthüllungen über Bonds Kindheitsgeschichte, die ja schon in Skyfall eine Rolle spielen, wirken dabei reichlich konstruiert und sind ziemlich unnötig. Bond selber ist in „Spectre“ so extrem souverän und selbstsicher, dass man (leider) keine Sekunde wirklich daran zweifelt, dass er das alles rechtzeitig hinkriegt, was vielleicht auch daran liegen mag, dass Daniel Craig meistens den gleichen Gesichtsausdruck im Gesicht hat. Wirklich nett ist, dass M, Q und Miss Moneypenny erstmals außerhalb des MI6-Gebäudes agieren und 007 helfen dürfen. Das hat dann schon fast etwas von Harry Potter.

Während Skyfall mich tagelang begleitet und begeistert hat, ist zwei Tage, nachdem ich Spectre gesehen habe, nicht mehr allzu viel von dem Film in meinem Kopf übrig außer einer Menge schneller Bilder und Lärm. Aber wahrscheinlich war Skyfall eben die grandiose Ausnahme von der Bond-Regel.

P.S. Nächste Woche „Schätzle“-Lesungen in Riederich (Metzingen), Echterdingen und Weissach im Tal! Und nicht vergessen, Benefiz für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge am Freitag, 11. Dezember!

Jeder hat seine Geschichte

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