Haben Sie schon ein Pfefferspray?

Rosa Elektroschocker sind in. Ebenso Pfeffersprays, die aussehen wie ein Lippenstift. Wie, Sie haben so etwas noch nicht? Dann werden Sie es erstmal auch nicht kriegen. Ausverkauft.

Pfefferspray, Elektroschocker und Gaspistole – die Hersteller dieser Produkte reiben sich die Hände. Selbstverteidigungskurse boomen. Allein im Januar sind in Stuttgart 126 Kleine Waffenscheine beantragt worden. Nach den Silvester-Ereignissen in Köln verspüren viele Frauen ein diffuses Gefühl von Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein. Doch wie berechtigt ist diese Angst tatsächlich?

Niemand leugnet, dass das, was in Köln und anderen deutschen Städten an Silvester passiert ist, unerträglich, unsäglich und absolut inakzeptabel ist. Niemand leugnet, dass, wer Schutz sucht und bekommt, niemals im Gegenzug Frauen in Deutschland bedrohen und belästigen darf ohne strafrechtliche Konsequenzen bis hin zur Ausweisung. Niemand leugnet, dass das Frauenbild vieler Asylbewerber nicht zu unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung passt und die arabischen Männer sich an uns anpassen müssen und nicht wir Frauen unser Verhalten an sie. Niemand leugnet, dass auch in Stuttgart Übergriffe passiert sind. Zudem sind mir in den letzten Tagen mehrere Geschichten von Handtaschenklau, Armbanduhrentwendung und Einbrüchen zugetragen worden.

Aber macht sich im Moment nicht auch Hysterie breit? Vor ein paar Tagen stieg ich aus der U-Bahn. Eine junge Frau stieg mit mir aus. Sie rannte los, als sei sie von einer Wespe gestochen worden. Sie rannte, vermutlich den ganzen Nachhauseweg. Dazu muss man sagen, dass ich in einem sehr friedlichen Teil Stuttgarts lebe; am Wochenende sind hier nachts viele Türken auf der Straße. Belästigt worden bin ich noch nie. Ich bin überhaupt noch nie in Stuttgart belästigt worden. Anders war das vor vielen Jahren in Paris. Da war ich als Au-pair, als Neunzehnjährige, und meine Familie lebte in der Nähe des Gare du Nord. Und ich wurde ständig belästigt, und es waren tatsächlich überwiegend Nordafrikaner. Sie lungerten sogar vor meinem Haus herum, sie machten mich dumm an, sobald ich aus der Haustür trat. Ich lernte, sie zu ignorieren, körperlich bedrängt wurde ich nie. Es war lästig, das schon, aber nach einer Weile war es Alltag in einer fremden Stadt, in der eben vieles anders war.

Die Polizei in Stuttgart sagt, es passiert nicht mehr als vorher, es ist nur die subjektive Wahrnehmung, die sich verändert hat. Trotzdem sind deutlich mehr Polizisten am Hauptbahnhof in der Klett-Passage unterwegs, auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln fällt mehr Sicherheitspersonal auf. Vielleicht trägt es dazu bei, dass sich die Leute sicherer fühlen. Aber ehrlich gesagt war die Klett-Passage nachts schon immer ein ziemlich scheußlicher Ort, ein Sammelbecken von Volltrunkenen, Randalierern, Punks und Obdachlosen, nicht erst, seit vermehrt Flüchtlinge nach Stuttgart kommen. Bloß hat man im reichen und sauberen Stuttgart bisher sehr erfolgreich darüber hinweggesehen. Am schlimmsten ist die Klett-Passage übrigens zur Volksfest-Zeit…

Ich will mir keine Angst machen lassen. Ich will nicht in jedem arabisch aussehenden Mann einen potenziellen Angreifer sehen. Ich will mich weiterhin frei bewegen, auch nachts, auch allein, und nicht wie ein Hase nach Hause hoppeln. Ich will mein Verhalten nicht anpassen; es sind die arabischen Männer, die sich an unser Frauenbild, unseren Kleidungsstil, unsere Freizügigkeit und unser Selbstbewusstsein gewöhnen müssen.

P.S.
Herrlich: Tracey Ullmans Parodie auf Angela Merkel in der Tracey Ullman Show, dem neuesten Hit auf BBC, ist zum Wegwerfen, v.a. gegen Ende des Videos, wenn Angela die Eurokrise besingt und scattet (Tracey Ullman war schließlich mal Popstar)

P.P.S.
Am nächsten Mittwoch „Zur Sache, Schätzle“ in Stuttgart-Kaltental, 19 Uhr, Eintritt frei!
http://muhterem-aras.de/category/allgemein/

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